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Projekten eine Seele geben

Denken Sie an die berühmtesten Bauwerke der Welt: die Pyramiden von Gizeh, das Opernhaus von Sydney und – für viele das wichtigste – der Eiffelturm in Paris. All diese Objekte besitzen Symbolkraft. Sie sind Ausdruck für eine Zeit, deren Besonderheit die Menschen bis heute begeistert. Und auch im Hotelbau muss man sich heutzutage differenzieren. Das heißt aber nicht, dass man dem Größenwahn verfallen soll. Zeitgenössische Hotel- und Tourismusarchitektur sollte sich selbst den Anspruch geben, eine Strahlkraft zu besitzen, die den Betrieb und den Zweck desselben widerspiegelt. Dazu geben wir Ihnen an dieser Stelle einen kleinen Denkanstoß:

Kennen Sie die Geschichte von den drei Maurern? Als sie nach ihrer Arbeit gefragt werden, antworten sie wie folgt: „Ich verdiene meinen Lohn.“ „Ich bin der beste Maurer für Bögen und Pfeiler.“ „Ich baue an einer Kathedrale.“ Beim Dritten verbinden sich Lebenszweck und höherer Zweck. Ein von seiner Liebe zum Beruf beseelter Mensch trägt zu einem größeren Ganzen bei, das über die Generationen wirkt. So soll es auch in der Architektur sein.

Der Pyramidenkogel in Keutschach: Spiralförmig schraubt sich die Konstruktion in den Himmel. Die Spiralform des Aussichtsturms steht symbolisch für Wachstum und Entwicklung.

Meisterlicher Anspruch
Wenn Baukultur sich mit einer Kultur des Bauens verbindet und das Richtige richtig getan wird, entwickelt sich eine eigene Identität, die Bauprojekten eine „Seele“ verleiht. Wenn ein Bauwerk zu einem wichtigen Symbol für die Menschen wird, so ist es gelungen, seine Einzigartigkeit, seine Identität in Resonanz mit seinen Besuchern zu bringen. Beim spektakulären Aussichtsturm am Pyramidenkogel in Keutschach (Kärnten/Österreich) ist dies gelungen. Die imposante Konstruktion wird nicht nur als Infrastruktur akzeptiert, sondern ist in die Gemeinschaft aufgenommen worden. Nicht ohne Grund erhält sie Spitznamen („Kurven der Loren“) und Liebeserklärungen („Tower of Kiss“). Über 300.000 Besucher pro Jahr und damit weit mehr als prognostiziert zeigen deutlich den Erfolg.

Was war anders als bei anderen Projekten? Verwendet wurden engpasskonzentrierte Strategiemodelle und der Identitätsstern, mit dem Werte, Rollen, Kompetenzen und Visionen entwickelt und strategisch abgeleitet werden können. So erhielt das Projekt seine unverwechselbare und einzigartige Identität. Die Projektorganisation verband baukybernetische Prinzipien mit dem MALIK VSM (Viable System Model). Aus Letzterem wird klar, wer welche Rolle zum Gelingen des Projektes einzunehmen hat und wie Komplexität, die täglich auf das Projektsystem einströmt, absorbiert werden kann. Übliche Leistungsbilder finden so eine größere, wirksamere Ordnung, um das Richtige auch richtig tun zu können.

Der Pyramidenkogel besteht aus 16 elliptisch angeordneten Holzstützen.

Die Seele des Projektes
Auf der Baustelle des Pyramidenkogels in Keutschach waren dieser Geist und diese Seele täglich zu spüren. So konnten die größten Anforderungen aus Technik und Wetter gemeistert werden – unfallfrei sowie im Kosten- und Terminbudget. Für viele war es sogar „die schönste Baustelle des Lebens“. Vielleicht stimmt diese Überlegung: Haben Projekte eine wertvolle „Seele“ und hat die Arbeit Sinn, tragen Menschen, neben allen notwendigen Verpflichtungen, auch freiwillig und gerne zum Erfolg bei.