TRENDS

Plastic (r)evolution

150 Millionen Tonnen, 10 kommen jährlich dazu: So viel Plastik befindet sich in den Weltmeeren. Ganze Müllinseln haben sich gebildet – eine ist so groß wie Zentraleuropa. Tiere gehen an verstopften Mägen zugrunde und auch wir Menschen sind bedroht. Nehmen wir doch wöchentlich bis zu 5 Gramm Mikroplastik – vergleichbar mit einer Kreditkarte – über Essen, Trinken und Luft auf. Die Folgen für die Umwelt: verheerend. Für unsere Gesundheit: noch nicht absehbar. Im Worst-Case-Szenario schwimmen 2050 mehr Plastikteile als Fische im Wasser.

Wie ein Hotelausstatter das Plastik-Problem auf kreative Art und Weise angeht…

Allein kann man das Plastik-Problem zwar nicht beheben, vielleicht aber den Stein ins Rollen bringen. Das hat sich der Hotelausstatter Schranz gedacht. Er stellt Hoteltextilien aus recycelten Plastikflaschen her – als weltweit erster in seiner Branche.

Man nehme 43 PET-Flaschen, zerkleinere sie und schmelze sie ein. Die entstandenen Flocken verwebe man zu neuem Garn und verarbeite sie zu einem Meter Stoff. Das Ergebnis: Ein funktionelles, beständiges und schönes Gewebe. Gut waschbar, pflegeleicht, auch im Outdoorbereich einsetzbar und natürlich für die zahlreichen Waschgänge in einem Tourismusbetrieb geeignet. Der gesamte Prozess ist kontrolliert und nachvollziehbar, von der Sammlung zur Verwebung des Polyestergarns. Bislang sind vor allem Tischwäsche, Sitzkissen und Zierpölster erhältlich, ein umfassenderes Sortiment ist in Planung.

Unglaublich, aber wahr: Ganze 450 Jahre vergehen, bis sich eine normale Plastikflasche vollständig zersetzt hat.

Besonders interessant: Schranz trägt nicht nur aktiv zur Wiederverwertung des Mülls bei, er leistet auch einen Beitrag zur Reinigung der Meere. Wie? Indem er den Verein „One Earth One Ocean“ unterstützt, der eine maritime Müllabfuhr entwickeln will. 2 Euro pro verkauftem Laufmeter gehen an die Münchner Organisation, ebenso gelegentliche Spenden. Eine ressourcenschonende Arbeitsweise liegt Inhaber Jürgen Schranz sowie Italien-Geschäftsführer Hannes Prantl ohnehin am Herzen. Und für das Thema möchten sie auch Hoteliers und Gastwirte begeistern.

Was sind die Vorteile für den Tourismusbetrieb?
Nachhaltiges Wirtschaften, z.B. durch die Verwendung recycelter Materialien, macht nicht nur ethisch und ökologisch Sinn – es dient auch dem Geschäftserfolg. Warum? Der Gast von heute, gerade ein Millennial, erwartet sich einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt. Wird man dem gerecht, kann man sich besser positionieren und hat einen Multiplikatoreffekt auf Mitbewerber. Fest steht: Wenn diese Tischwäsche auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, macht sie den Müllberg wenigstens etwas kleiner und die Umwelt ein wenig sauberer.