MANAGEMENT

Nachhaltiges Bauen in der Hotellerie

Die Südtiroler Hotellerie denkt in Sachen Bauen immer mehr an Nachhaltigkeit. Ein sehr guter Schritt in die richtige Richtung, wie Architekt Joachim Maria Clemens im Interview erklärt.

Herr Clemens, was versteht man grundsätzlich unter „nachhaltigem Bauen“?

Nachhaltige Gebäude zeichnen sich durch hohe ökologische, ökonomische und soziokulturelle sowie funktionale Qualität aus. Des Weiteren zählen die Qualität des Planungsprozesses und die technisch qualitative Ausführung.

Worin liegen die Vorteile gegenüber nicht nachhaltigen Bauten?
Klare organisatorische Abläufe sowie ein auf die jeweiligen klimatischen Anforderungen angepasstes Energiekonzept senken die Unterhaltskosten und schaffen eine angenehme Atmosphäre. Das spüren Besitzer, Mitarbeiter und Gäste. Findet ein schonender Umgang mit der Natur statt und werden regionale Materialien verwendet, stärkt das die Authentizität und steigert den Wert eines Hotels langfristig.

Wie schwer bzw. wie leicht ist es, ein umweltfreundliches Hotel zu planen?
Der Unterschied liegt zwischen Neubau und Umbau: Bei Ersterem kann man von Anfang an auf die technischen Erfordernisse Rücksicht nehmen. Bei Umbauten geben oftmals das Gebäude und die städtebauliche Situation die Eingriffe vor. Manche Änderungen sind nicht machbar und nicht jede technische Lösung ist ökonomisch sinnvoll. Auf bestimmte Kriterien ist jedoch immer zu achten:

  • Sommerlicher Wärmeschutz: die Verwendung von Sonnenschutz an den Fenstern oder der Einsatz von Gründächern, die einer Überhitzung der Dachflächen stark entgegenwirken. Dadurch bedarf es in den Sommermonaten deutlich weniger Energie zur Kühlung.
  • Senkung des Energieverbrauches im Winter durch ausreichende Wärmedämmung der Fassaden.
  • Ausgereifte technische Ausstattung, wie z. B. LED-Beleuchtung, die den Energieverbrauch deutlich senkt.

Sind nachhaltige Gebäude zwingend teurer als herkömmliche Bauten?

Wenn man die Herstellungskosten vergleicht, sicherlich ja. Ein geringerer Energiebedarf des Gebäudes mindert jedoch die Folgekosten.

Wie gelingt es, in einem Hotelbau Nachhaltigkeit und gutes Design zu verbinden?
Gebäude, die die Seele berühren, Rücksicht auf die Natur nehmen und möglichst wenig Energie verbrauchen, bleiben lange erhalten. Auch das planerische Konzept spielt dabei eine wichtige Rolle. Wir versuchen immer, mit ortsüblichen Materialien zu arbeiten und wählen meist einen zeitlosen Stil. Das ist für Südtirol sehr wichtig. Ich muss nicht einen brasilianischen Marmor irgendwo an der Wand haben, weil das gerade „gschmackig“ ist, nur weil in zwei Jahren vielleicht der Trend bei dunklem Material liegt. Konzepte, die durchdacht und wirklich gut gezeichnet und gestaltet sind, erfahren automatisch eine lange Akzeptanz und wirken nachhaltig.

Ein Blick in die Zukunft: In welche Richtung wird es Ihrer Meinung nach gehen?
Jeder spürt mittlerweile die Klimaumstellungen. Zusätzlich ist unsere Arbeitswelt in den letzten Jahrzehnten schneller und stressiger geworden. Rückzugsorte für den Urlaub und Wohnbauten mit Qualität werden auch in Zukunft mehr geschätzt werden. Zudem glaube ich, dass heute ein Gast bereit ist, dafür mehr Geld auszugeben – vor allem, wenn es authentisch umgesetzt wurde.

Arch. Joachim Maria Clemens
studierte Architektur in Trier und lernte beim Meraner Architekten Wolfram A. Pardatscher. Zusammen mit ihm und Arch. Klaus Valtingojer gründete er PVC-Architects. Im September 2006 eröffnete er in Meran sein eigenes Studio unter dem Namen JMC.www.ck-architekten.com